Das Künstlerdorf

Auch wenn’s auf den ersten Blick vielleicht so ausschaut, sind wir kein Museum. In unseren denkmalgeschützten Gebäuden wird gezeichnet, gedruckt, gemalt, gelernt, gefeiert, geschlafen, gestritten und geliebt. Kurzum: Wir sind ein Künstlerdorf voller Leben und Leidenschaft.

Wir liegen eingebettet in der Ortschaft Neumarkt an der Raab im Südburgenland (Österreich). Bei uns finden regelmäßig Kunstkurse, Ausstellungen, Konzerte, Vorlesungen, Vorträge und Theateraufführungen statt. Wir vermieten unsere historischen Zimmer (auch ohne Kursbesuch) und unsere bestens ausgestatteten Werkstätten.

So schön’s bei uns ist, müssen wir vor unserer Laube warnen! Wer am nächsten Tag nicht ausschlafen kann, sollte sich dort nicht hinsetzen! Schon gar nicht, wenn bereits Gläser am Tisch stehen.

Die Häuser

Unser Künstlerdorf besteht aus acht historischen Gebäuden, einem modernen Holzkubus, einer mehr als 5000 Quadratmeter großen Kulturwiese, einem Spielplatz, zwei Parkplätzen, einer barrierefreien Toilettenanlage und einer (gefährlichen) Laube. Zwei der Gebäude stehen außerhalb des eigentlichen Ensembles. Alle Gebäude können gemietet werden.

Die Geschichte

Unser Künstlerdorf ist mehr als 50 Jahre alt. Wir gehen durchatmen.

Manchmal, wenn bei uns im Künstlerdorf besonders viel los ist, dann schleichen wir uns heimlich davon. Wir gehen ein paar Schritte Richtung Holzmann, unserem Dorfwirt, biegen beim Kapellenzipf links ab und gehen dann die Raab entlang.
Es ist ein wundervoller Weg zum Durchatmen. Und zum Nachdenken.
Was bei uns in letzter Zeit schon wieder los war! Der Bernhard Aichner hat bei uns an seinem neuen Krimi geschrieben, der Gypsy-Swinger Diknu Schneeberger hat unterrichtet und gespielt, die Konstanze Breitebner hat gelesen. Dann noch die Ausstellungen von Bianca Maria Samer und Stephan Ehrenhofer, der Aufenthalt von Theodora Bauer. Die ist so jung und kann schon so schreiben …

Achtung beim Münzgrabenbach

Aufpassen! Wir müssen über den Münzgrabenbach, sonst sind wir viel zu schnell im Dorf zurück.
Dabei hat alles mit einem einzigen alten Bauernhaus in der 1960er Jahren angefangen, dem heutigen Daxhaus. Wenn damals nicht ein paar heimatbewusste Neumarkter, der Feri Zotter, der Alfred Schmeller und der Johannes Jandrasits  gewesen wären – dieses Haus wäre abgerissen worden.
Wenn wir wieder zurück sind, müssen wir unbedingt das Glas auf sie erheben. Denn was die damals mit den Künstlern gefeiert haben! Wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was erzählt wird, dann war das schon eine wilde Zeit.
Und wer da aller dabei war! H.C. Artmann, Wolfgang Bauer, Barbara Frischmuth, Werner Schwab, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Gerhard Rühm und viele viele andere.

Unter Denkmalschutz

Jetzt sind wir gleich beim Daxhaus. Der erste Künstler, der sich hier zurückzog war übrigens Johannes Wanke. Kurz nach ihm kam Peter Handke. Der schrieb hier an seinem Roman „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, der später von Wim Wenders auch bei uns verfilmt wurde.
Zum Glück steht das Haus schon unter Denkmalschutz.

Das Tal der Könige

An der Hauptstraße biegen wir links ab, schließlich werden wir im Künstlerdorf bei unserer Mediathek erwartet. Das ist das neueste Mitglied in unserer Häuser-Familie. Ein wohl durchdachter, blauer Holzkubus, der den burgenländischen Architekturwettbewerb gewann.
Wir kommen noch am Haus des leider schon verstorbenen Dirigenten Giuseppe Sinopoli vorbei. Er war vom Künstlerdorf und seiner Umgebung so angetan, dass er sich hier niederließ. Genau so, wie Walter Pichler, Christian Ludwig Attersee, Elfie Semotan, Kurt Kocherscheidt, Martha Jungwirth, Paolo Piva und Hans Weigand (und viele andere). Immer wieder wird unserer Raabtal deshalb „Tal der Könige“ genannt.

Wie auch immer. Das Durchatmen hat gut getan. In unserem Künstlerdorf geht’s weiter.

Ein paar Zitate über unser Dorf

„Neumarkt ist ein prächtiger Ort, mit einer herrlichen Umgebung“
Ernst Jandl

„Ich bin durch die Talente hier auch motiviert, denn auch wir Seminarleiter lernen dadurch, immer noch. Man kann von jedem etwas lernen, man muss es nur annehmen“
Harry Stojka

„Da habe ich so einen Rausch gehabt, da bin ich unter einem Baum gelegen, nach ein paar Stunden haben sie mich wieder erweckt und reingeholt“
Franz Buchrieser über ein Sautanz-Fest

„Malerei ist sehr schwer!“
Alfred Sinowatz

„Die Künstlerkolonie entstand dann über die Jahre. Natürlich haben wir darauf geschaut, wer hierherzieht“
Walter Pichler

„Ich danke für den angenehmen Aufenthalt im Atelierhaus, wo ich nach der anstregenden Dreherei immer ausgezeichnet habe schlafen können“
Wim Wenders

„Die Lebensform in Neumarkt an der Raab, in diesem wunderschönen Haus, war eine denkbar einfache. Manchmal kochten wir miteinander, sehr oft landeten wir im Dorfgasthaus“
Peter Turrini

„Nach zwei Jahren falscher Berühmtheit endlich wieder ein Arbeitsplan, und so dort der Ernst des Lebens, auch in Erwartung der Geburt meiner Tochter Amina. So haben sich die Radfahrten in Nebel und Tau eingeprägt, das Fallen der Äpfel von den Bäumen (noch immer einer der Sätze aus dem ‚Tormann‘, die mir am meisten nachgehen: ‚Er wurde immer müder und draußen fielen die Äpfel von den Bäumen.‘)“
Peter Handke über seinen Aufenthalt in Neumarkt an der Raab

„Für mich war Neumarkt ein gallisches Dorf, das sich gegen viele Widerstände zur Wehr setzt, ein besonderer Ort. Das Konzert mit Dollar Brand im Kreuzstadel, unglaublich“
Gerhard Altmann

Bernhard Aichner
So sympathisch Bernhard Aichner auch ist – seine Krimis verursachen Gänsehaut. Bei uns schrieb er an seiner Triologie weiter
Gleich der Erstlings-Roman von Theodora Bauer („Das Fell der Tante Meri“war ein Erfolg. In diesem Video liest sie daraus
Sautanz 1969/70
Gruppenfoto vor dem Sautanz 1969/70. Ein legendäres Fest. Im Bild: Johann Lamm, Martha Jungwirth, Ehepaar Jandrasits, Feri Zotter, Albin Dax und Eduard Kröpfl
Eintrag von Walter Pichler
„Hier hab‘ ich gut gelebt und gearbeitet“ schrieb Walter Pichler 1972 in unser Gästebuch. Später kaufte er in unserer Gemeinde ein Haus – wie viele andere Künstler auch

Das Künstlerdorf-Buch

Der sensationelle Fund von 31 Gästebüchern, die der Zeichner und Chronist Prof. Eduard Sauerzopf über vier Jahrzehnte akribisch geführt hat, bildet die Basis zum Buchprojekt über das Künstlerdorf Neumarkt an der Raab. Die Herausgeber, Petra Werkovits und Peter Vukics, haben 13 Monate lang nachgeforscht, aufgespürt und gesammelt, gefragt und zugehört um nun die wunderbare und wechselhafte Geschichte des Künstlerdorfes aus der Sicht der HauptdarstellerInnen erzählen zu können. Dieses zeitgeschichtliche Dokument mit umfangreichem, bisher unveröffentlichtem Bild- und Textmaterial gewährt intime Einblicke in die Epoche des kulturellen Aufbruchs, aber auch in ein künstlerisch besonders wertvolles Dorfleben. 2017 wurde es überarbeitet und mit aktuellen Ereignissen ergänzt.

Das Künstlerdorf Neumarkt an der Raab
Herausgegeben von Petra Werkovits und Peter Vukics
Neuauflage 2017
Residenz Verlag
256 Seiten
Preis: 30 Euro

Cover des Neumarkt-Buches (2017)